Und so tritt die wahrscheinlich letzte große Persönlichkeit der deutschen Kultur ab und mit ihm wahrscheinlich auch die Hoffnung auf bleibende Scham oder das längest überfällige Erwachen der zuständigen Fernsehmachern und Zuschauer. Denn wer glaubt, dass dieser Ausbruch aus Berechnung oder Eitelkeit erfolgte, der täuscht. Wie muss sich ein alter Mann, der schon als Kind und Jugendlicher sein karges Taschengeld für Bücher und Theater ausgab, bei einer solchen niveaufreien, geistlosen und selbstverherrlichenden Aufzeichnung fühlen? Ist es nicht der Anblick einer gescheiterten Mission, welche Reich-Ranicki so aufbrachte? Nach jahrelangem Kampf gegen den unwiderstehlichen Sog aus Impertinenz und Gleichgültigkeit der miterlebten Generationen, muss es ihm wahrhaft wie Hohn und Spott vorgekommen sein, dass ihm, während als er stundenlang auf seinen Moment warten musste, die Müllkübel des deutschen Konsum-TV´s vor die Haustür gekippt wurden.
Nun könnte man Sie, lieber Marcel Reich-Ranicki, eventuell für diesen Auftritt kritisieren und Ihnen Polemik vorwerfen, was aber in diesem Moment hinfällig wird, als selbst eine Elke Heidenreich, die ewige Ja-Sagerin und sein Widerbild in Sachen Literaturkritik (die sie als solche nicht kennt), aufsteht und unter anderem diesen Satz niederschreibt: "Der Kritiker, der Spielverderber ist weg, nun ziehen wir unsere hirnlose Scheiße durch bis zum Schluss."
Schande über die Produzenten, Schande über diese Ausgeburten einer gelangweilten und nur mit sich selbst im himmlischen Frieden, geistig dahingleitenden Fernsehwelt. Danke Marcel Reich-Ranicki für Ihren wahrscheinlich letzten Fingerzeig, der wie ich allerdings fürchten muss, ebenso ignoriert und belächelt werden wird, wie all die vorangegangenen, über all die Jahrzehnte zuvor.
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